Mit der Maschinenverordnung wird Industrial Security zur Voraussetzung für funktionierende Safety. Normen wie IEC 62443 und die kommende EN 50742 empfehlen dafür einen klaren Ansatz: Automatisierungsnetzwerke in Zonen aufteilen, Verbindungen kontrollieren und sicherheitsrelevante Funktionen gezielt schützen. Andreas Willert, Head of Industrial Security bei Pilz in Österreich, erklärt wie das in der Praxis funktioniert.
Digitale Vernetzung schafft neue Möglichkeiten für Maschinen und Anlagen. Gleichzeitig wächst das Risiko, dass sicherheitsrelevante Funktionen durch unbeabsichtigte Änderungen oder gezielte Manipulationen beeinträchtigt werden. Deshalb fordert die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 erstmals ausdrücklich, dass Sicherheitsfunktionen gegen solche Eingriffe geschützt werden müssen. Damit wird Security zur Voraussetzung für funktionierende Safety. Bei der praktischen Umsetzung der eher abstrakten Schutzziele können Konstrukteure und Awender auf Normen wie die Reihe IEC 62443 und die neue EN 50742 zurückgreifen.
Security als Voraussetzung für Safety
Safety schützt Menschen vor Gefahren, die von einer Maschine ausgehen. Security schützt wiederum die Safety-Funktionen selbst vor Manipulation und unberechtigten Zugriffen. Nur wenn sicherheitsrelevante Systeme integer bleiben, können sie im Ernstfall zuverlässig wirken.
Security for Safety verständlich erklärt: Warum die Maschinenverordnung Security zur Voraussetzung für Safety macht und welche Konsequenzen das für Maschinenbauer und Betreiber hat.
Zonen schaffen Sicherheit
Einen anerkannten Lösungsansatz beschreibt die Normenreihe IEC 62443 mit dem Prinzip „Zones and Conduits“. Dabei werden Automatisierungsnetzwerke in klar definierte Bereiche unterteilt. Die Kommunikation zwischen diesen Bereichen erfolgt ausschließlich über kontrollierte Verbindungen.
Dieses Konzept folgt dem Defence-in-Depth-Prinzip: Mehrere Schutzschichten sichern das System ab. Selbst wenn eine Barriere überwunden wird, verhindern weitere Schutzmaßnahmen eine Ausbreitung von Angriffen oder Fehlkonfigurationen.
Zones and Conduits in der Praxis: Unser Experte erläutert, wie Netzwerksegmentierung funktioniert und warum kontrollierte Kommunikationswege die Sicherheit erhöhen.
Safety konsequent isolieren
Pilz setzt im aktuellen Portfolio auf die konsequente Trennung von Safety und Standard-Automation. Sicherheitsfunktionen laufen auf separaten Systemen und werden logisch, organisatorisch und technisch abgeschottet.
Warum Isolation Sicherheit schafft: Getrennte Systeme, geringere Angriffsfläche – Wie die konsequente Isolation von Safety-Funktionen für mehr Sicherheit und weniger Aufwand sorgt.
Die Vorteile auf einen Blick:
- Zuverlässige Sicherheit: Safety-Funktionen sind gegen ungewollte Änderungen geschützt – unabhängig davon, was im Standardbereich passiert.
- Effiziente Cybersecurity: Optimal abgestimmte Security-Levels je Zone schützen Netzwerke und Daten.
- Weniger Aufwand: Updates, Zertifizierungen und Anpassungen müssen nicht doppelt durchgeführt werden.
- Weniger Komplexität im Betrieb: Das Bedienpersonal braucht kein tiefes Security-Wissen; die Architektur sichert die Safety automatisch ab.
- Höhere Verfügbarkeit: Diagnosedaten bleiben nutzbar, ohne geschützte Bereiche zu öffnen.
- Größere Flexibilität: Safety-Systeme wie Steuerungen (z.B. Kleinsteuerung PNOZmulti 2) oder Sicherheitsschaltgeräte (z.B. myPNOZ) lassen sich herstellerübergreifend integrieren.
- Niedrigere Kosten: Weniger Support, weniger Lizenzen, weniger Eingriffe – und damit niedrige Total Cost of Ownership.
Diagnoseinformationen immer verfügbar
Diagnosedaten trotz Segmentierung: Wie wichtige Diagnoseinformationen verfügbar bleiben, ohne die geschützte Safety-Zone zu öffnen.
Wissen schafft Sicherheit
Neben der passenden Architektur spielt Know-how eine entscheidende Rolle. Mit Trainings wie „Grundlagen der Industrial Security“ oder der CESA-Zertifizierung unterstützt Pilz Unternehmen dabei, Security-Risiken zu bewerten und sichere Netzwerkarchitekturen aufzubauen.
Sicher planen, sicher betreiben: Kompetenz genau dort, wo sie benötigt wird.
Wer Safety-Funktionen konsequent segmentiert und schützt, erfüllt nicht nur normative Anforderungen. Er schafft die Grundlage für mehr Sicherheit, höhere Verfügbarkeit und einen wirtschaftlicheren Betrieb über den gesamten Maschinenlebenszyklus hinweg.

„Je mehr Safety-Funktionen vom Produktionsnetzwerk isoliert sind, desto besser sind sie geschützt.“
Andreas Willert, Head of Industrial Security, Pilz Österreich



