Auf den ersten Blick wirkt die Sicherheit an Maschinen oft starr, regelgetrieben und wenig innovativ. Auf den zweiten Blick verlangt die Automatisierung jedoch Sicherheitstechnik, die Schritt hält. Pilz zeigt seit Jahrzehnten, dass Innovation und Sicherheit keine Gegensätze sind, sondern gemeinsam neue Wege eröffnen.
Lange Zeit war die Maxime beim Thema Sicherheit, Maschinen über strikte, wenig flexible Konzepte abzusichern – eine wirkungsvolle, aber starre Methode. Auf den ersten Blick scheint deshalb bei der Maschinensicherheit kein Platz für neue Technologien zu sein. Sie ist quasi per Definition ein konservativer Bestandteil der Steuerungs- und Automatisierungstechnik. Ein weiterer Grund ist, dass Sicherheit wie kaum ein anderer Bereich durch Gesetze, Standards und Normen geprägt ist. Diese ändern sich nur selten und legen fest, was erlaubt ist und was nicht.
Wie Sicherheit und Innovation zusammenpassen
Die Industrie arbeitet laufend an verbesserten technischen Ansätzen, Prozess- und Fertigungsabläufen, um Effizienz und Kosten zu optimieren. Die Sicherheit muss sich im Bereich der Automatisierungstechnik vergleichbaren Herausforderungen stellen.
Das geht nicht, ohne Neuland zu betreten. Ein Beispiel hierfür ist das 1987 von Pilz auf den Markt gebrachte PNOZ – Pilz Not-Aus zwangsgeführt –, das erste Sicherheitsschaltgerät für den zuverlässigen Stopp von Maschinen im Gefahrenfall. Es war kleiner als die konventionelle Schaltung, einfacher in der Handhabung und vor allem sicherer – eine zertifizierte Baumusterprüfung hat dies bestätigt. Das kam einer Zeit entgegen, in der Maschinensicherheit auch von der Gesetzeslage her immer wichtiger wurde, aber zugleich möglichst unkompliziert für Anlagenbetreiber umgesetzt werden sollte.
Innovation made by Pilz
Das 1. PNOZ bringt Pilz 1987 auf den Markt.
Pilz hält
220 Patentfamilien.
0 Unfälle wurden bisher durch ein Produkt von Pilz verursacht.
1995: Mit der weltweit ersten sicheren SPS-Steuerung PSS 3000 schreibt Pilz Industriegeschichte.
Noch größer war der Schritt, den Pilz 1995 wagte: Die damalige Gesetzgebung verbot die Nutzung von Elektronik für Sicherheitsfunktionen in Steuerungen ausdrücklich. Pilz erkannte dennoch das Potenzial und brachte 1995 die erste frei programmierbare Sicherheitssteuerung PSS 3000 auf den Markt. Erst harte Verhandlungen mit Bundesministerien und europäischen Komitees bewirkten eine Änderung der gesetzlichen Vorgaben. PSS 3000 ebnete den Weg für die ab 2001 veröffentlichte Normenreihe IEC/EN 61508, die bis heute als Basisnorm für funktionale Sicherheit gilt.
„Pilz ist mit dem Thema Maschinensicherheit gewachsen, aber das Thema auch mit uns“, bringt es Jürgen Kitzing auf den Punkt. Er und sein Team sind für die Zulassungen der Pilz Produkte durch TÜV, BG und Co. zuständig. „Pilz hat Industriegeschichte geschrieben”, sagt Berthold Heinke rückblickend. Er war bis 2018 Leiter des Kompetenzzentrums Elektronik der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM). Pilz arbeitet seit Jahrzehnten eng mit Berufsgenossenschaften und Zulassungsstellen zusammen, um neue Technologien in praxistaugliche, sichere Produkte umzusetzen. Diesen Institutionen gibt Pilz immer wieder harte Nüsse zu knacken. Das belegen allein die 220 Patentfamilien, also die angemeldeten Erfindungen, die Pilz hält.
Wie sichere Produkte entstehen
Ein funktional sicheres Produkt zu entwerfen, ist das eine, die Umsetzung etwas ganz anderes. Doch was macht ein Produkt überhaupt funktional sicher?
Funktional sicher bedeutet, dass alle sicherheitsrelevanten Funktionen einer Maschine so realisiert sind, dass ein beliebiger Fehler nicht zum Verlust der Sicherheitsfunktion führt und in Folge ein Unfall an der Maschine sicher verhindert wird.
Dafür muss ein sicheres Produkt zwei Dinge beherrschen: Zum einen muss es auf sogenannte zufällige Hardwarefehler reagieren können, z. B. beim Ausfall eines Bauteils oder bei einem mechanischen Schaden. Dies ist vergleichsweise einfach zu lösen, indem die einzelnen Bauteile redundant, also doppelt, vorliegen.
Andererseits gilt es, auch systemische Fehler zu vermeiden, also Fehler in der Programmierung von Hardware oder Software. Dies ist deutlich aufwändiger. Ein Blick auf die Arbeit von Softwareentwicklern zeigt: Das eigentliche Vorgehen in der Programmierung für die Sicherheit unterscheidet sich kaum von der Software für Standardautomation. Der Unterschied liegt im Detail: „Sicherheit bekommt man nur durch sauberes Arbeiten, wiederkehrende Reviews und ausführliche Tests in den Griff. Das bedeutet einen großen Aufwand“, verdeutlicht Matthias Holzäpfel, Vice President Product Development bei Pilz, der seit über 20 Jahren als Entwickler bei Pilz tätig ist.

„Erfahrung zahlt sich beim Thema Safety aus.“
Matthias Holzäpfel, Vice President Product Development bei Pilz
Er kann bestätigen: „Erfahrung zahlt sich beim Thema Safety aus. Diesen Wissensschatz intern zu teilen, ist eine wichtige Aufgabe.“ Dafür sorgen bei Pilz z. B. sogenannte Best-Practice-Teams, in denen sich die Entwickler verschiedener Produkte über ihre Erfahrungen austauschen und „Best-Practice“-Wissen weitergeben.
Erfahrung ist gut, gelebte Sicherheitskultur ist besser
Damit Erfahrung und Routine jedoch nicht zu einer nachlassenden Sorgfalt führen, dafür sorgt bei Pilz Christoph Weishaar. Er ist Safety Manager und Explosionsschutzbeauftragter. „Die Sicherheit ist alles andere als ein Selbstläufer. Insbesondere wenn über sehr lange Zeiten keine Fehler passieren. Dann besteht die Gefahr, dass relevante Dinge übersehen oder notwendige Maßnahmen unterbleiben.“

„Sicherheit ist kein Selbstläufer.“
Christoph Weishaar, Safety Manager und Explosionsschutzbeauftragter bei Pilz
Als Safety Manager ist er das Bindeglied zwischen der Technik, den gesetzlichen Vorgaben und dem operativen Einsatz der Produkte. Tritt beispielsweise im Feld ein potenziell sicherheitsrelevanter Fehler auf, stößt er einen internen Analyseprozess an, der den Fehler vollumfänglich betrachtet, im Einzelfall zu einer Information der betroffenen Kunden oder bis hin zum Redesign des Produkts führen kann.
Analog zu den Zulassungen seiner Produkte lässt Pilz auch das Management für Funktionale Sicherheit (FSM), also die Art und Weise wie Produkte sicher entwickelt und gefertigt werden, von TÜV SÜD auditieren und zertifizieren. Zudem ist seit 2022 der Entwicklungsprozess von Pilz nachweislich nicht nur safe, sondern auch secure: TÜV SÜD hat die Entwicklungsprozesse von Pilz auf der Grundlage der Norm IEC 62443–4‑1 geprüft und zertifiziert.
Bevor der externe Zulassungsprozess beginnt, müssen am Ende der Produktentwicklung alle neuen Produkte von Pilz noch in die unternehmenseigenen Prüf- und Testlabore, darunter ein akkreditiertes EMV-Labor für elektromagnetische Verträglichkeit mit Störfestigkeitsprüfungen und Störaussendungsmessungen. Für die Simulation auch extremer Umweltbedingungen wie Nässe, Kälte und Wärme hat Pilz zudem mechanische Prüfeinrichtungen und Klimakammern geschaffen.
Die Nähe zur Produktentwicklung bietet den Vorteil, dass Produkteigenschaften schnell und unkompliziert geprüft und Produktverbesserungen vor Ort im Labor gleich ausgetestet werden können. Das Labor von Pilz ist seit 2004 bei der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) nach DIN ISO 17025 akkreditiert. Dies belegt die Güte und Kompetenz des Prüflabors nach internationalen Standards und vereinfacht internationale Produktzulassungen erheblich.
Die wichtigste Zahl: Zero
Wie gut bei Pilz die Verbindung von technologischem Fortschritt, funktionierenden Entwicklungsprozessen und Praxistauglichkeit klappt, zeigt eine Zahl eindrücklich: Zero.
„Noch nie ist es durch ein Produkt von Pilz zu einem Unfall gekommen – egal ob in der Industrie an Pressen und Verpackungsmaschinen oder in der Bahntechnik oder in Vergnügungsparks,“ kann Christoph Weishaar nicht ohne Stolz berichten.
Dass der Schutz von Mensch, Umwelt und Anlagenwerten gewährleistet ist, darauf können sich die Kunden verlassen. Doch sichere Automatisierungstechnik muss heute mehr leisten. „Gute Safety ist unauffällig, sie behindert weder den Bediener, noch beeinträchtigt sie die Produktivität“, verdeutlicht Arndt Christ, Vice President Product Management. „Im Gegenteil: Richtig dimensionierte Sicherheit hilft, Ausfälle zu verhindern und Stillstandszeiten zu reduzieren.“

„Gute Safety ist unauffällig, sie behindert weder den Bediener noch beeinträchtigt sie die Produktivität.“
Arndt Christ, Vice President Product Management bei Pilz
Wie erreicht man das? „Unsere Produkte haben immer eine bestimmte Aufgabe zu erledigen, zum Beispiel eine Türzuhaltung. Für die Konzeption unserer Produkte spielt daher die Applikationssicht eine wesentliche Rolle“, erklärt Arndt Christ.
Das führt einerseits dazu, dass Pilz für viele seiner Produkte besondere Module oder Ausführungen für den Einsatz in bestimmten Bereichen anbietet, etwa in der Verpackungs‑, Bahn- oder Brennertechnik. Andererseits legt Pilz großen Wert auf Funktionalität und Anwenderfreundlichkeit, beispielsweise durch die Offenheit der Produkte, eine einfache und schnelle Fehlerdiagnose, verkürzte Engineeringzeiten, intuitive Bedienung und Programmierung.
Sichere Automatisierungstechnik als Königsdisziplin in der Automatisierung
Am Ende zeigt sich: Sichere Automatisierungstechnik entsteht nicht allein durch gute Ideen, sondern durch konsequentes, präzises und verantwortungsvolles Handeln – und durch den Mut, neue Wege zu gehen. Das Ergebnis sind Produktlösungen, die nicht nur Unfälle verhindern und Anwender im Alltag unterstützen, sondern Kunden entspannt auf das Thema Sicherheit blicken lassen.






